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Ausstellung im Detail

Sonderausstellung - 10. April – 10. Oktober 2010

Zu Tisch – À Table ! - Köstlichkeiten aus fürstlichen Küchen und Kellern

Das Napoleonmuseum Thurgau, Schloss & Park Arenenberg, hat zusammen mit der RMN (Réunion des musées nationaux) in Paris und dem Museo Napoleonico in Rom eine grosse Präsentation vorbereitet, die sich um die Kultur des Essen und Trinkens zwischen 1800 und 1900 dreht.


Speisesalon im Palais von Schloss Arenenberg

Speisesalon im Palais von Schloss Arenenberg.
Festlich gedeckte Tafel mit Porzellan und Kristall
aus den kaiserlichen Manufakturen Dihl
et Guerhard sowie Creusot. Tischdekoration von Thomire, um 1815.

Während sich die Museen in Paris und Rom ausschliesslich auf den Weinkeller der Kaiserin Joséphine konzentrieren, erweitern die Schweizer Ausstellungsmacher das Thema:

Kaffeekännchen Napoleons I. Teil seines bei Waterloo erbeuteten Feldservices.
Martin-Guillaume Biennais, vor 1815.
Silber vergoldet.
Napoleonmuseum Thurgau,
Schloss & Park Arenenberg
Kaffeekännchen Napoleons I.


Auf Schloss Arenenberg, dem Elternhaus Kaiser Napoleons III. am Bodensee, treten an die Seite der „Getränke“ speziell ausgewählte Speisen bzw. deren Rezepte, die aus teilweise noch nie bearbeiteten Quellen zusammengetragen wurden. Jeder so entstandene Menüteil bildet die Verbindung mit einer historischen Persönlichkeit aus dem Umfeld der kaiserlichen Familie.

 


 

Als Gerüst der Ausstellung dient ein 13-Gang-Menu [PDF], das Massimo, der „Maître de cuisine“ von Hortense de Beauharnais, im Jahr 1805 eigens für den Besuch der lombardischen Gesandten am Hof von Kaiserin Joséphine und Napoleon I. in Malmaison zusammenstellte:

Consommé de volailles
Potage à la Reine
Mousse de perdreau aux truffes
Timbale de foie gras au Champagne
Huîtres vertes d’Ostende et de Bretagne
Saumon à la génoise en grosse pièce
Grosse pièce de pré salé à la broche
Truffes au champagne
Fromages de Parmesan de Brie et de Gruyère
Riz à l’Impératrice
Soufflé à la vanille
Poire à la Condé
Gratin de citrons et d’oranges au caramel

Vins de Toscane, de Bourgogne, de Bordeaux et de Champagne
Café de Moka et liqueurs

Köche um 1820 Zwei Köche im traditionellen Gewand.

 


 

In den so entstehenden einzelnen Ausstellungskapiteln wird zunächst ein ausgewählter Gang und parallel ein dazu gehöriger Wein präsentiert. Dessen Note lernt der Besucher vor Ort über Duftfläschchen kennen. Die Beschreibung eines adligen Hofes unter einem speziellen Aspekt rundet das Kapitel ab: [die folgenden Beispiele stammen aus der Ausstellung, sind hier aber willkürlich kombiniert. Auf detaillierte Texte wird weitgehend verzichtet]

Potage à la Reine / Königin-Suppe
(Suppe von Geflügelpuree mit Mandelmilch)

2 Hühner werden entsprechend vorgerichtet - in ein Kasserol gelegt mit Speckscheiben bedeckt - 5 l Geflügelbrühe dazu gegossen und 1 Würzsträusschen sowie eine Zwiebel hinzugefügt - man stellt das Kasserol auf den Herd und lässt kochen, bis die Hühner gar sind - ist dies der Fall, so nimmt man das Kasserol vom Feuer und lässt zur Hälfte erkalten - nimmt dann die Hühner heraus - entfettet die Brühe und streicht sie durch ein Seihtuch - dann nimmt man das Fleisch von den Hühnern und stösst es mit 200 g Weissbrotkrumme, die man in Geflügelbrühe gekocht, in einem Mörser fein, - streicht dann das Puree durch ein Haarsieb - schüttet es in ein Kasserol und fügt soviel von der Brühe, in der die Hühner kochten, hinzu, als nötig ist um der Suppe die gehörige Façon zu geben - mittlerweile brüht man 100 g Reis ab - kocht ihn in Geflügelbrühe - erhitzt das Puree soweit als nötig - lässt den Reis, sobald er weich ist abtropfen - schüttet ihn in die Pureesuppe und mischt gut durcheinander. - 100 g süsse Mandeln, die man sorgfältig prüfen muss, damit keine bittere darunter ist, werden in kochendes Wasser geschüttet und geschält - dann in kaltes Wasser gelegt und hierauf abgetrocknet - man stösst die Mandeln unter Hinzufügen von 3/10 l süsser Sahne zu gleichmässiger Teigmasse - streicht die Mandelmilch durch ein Seihtuch - mischt mit dem Geflügelpuree - und trägt auf.

Ein Huhn, fertig zum Zerlegen, und ein Huhn zerlegt.
Aus: Jules Gouffé: Le livre de cuisine, Paris 1867
Napoleonmuseum Thurgau, Schloss & Park Arenenberg
Huhn aus Gouffe

 


 

Champagner aus den kaiserlichen Kellern und seine Geschichte

Champagnerflasche Champagnerflasche aus den Arenenberger Beständen
Moët & Chandon, Brut Impérial
Zweites Kaiserreich
Napoleonmuseum Thurgau
Schloss & Park Arenenberg

 

Champagnerflöte mit der Initiale von Hortense de Beauharnais,
Königin von Holland und Herzogin von St. Leu.
Kristallglas von Creusot, um 1815.
Napoleonmuseum Thurgau Schloss & Park Arenenberg
Champagnerflöte

 

Porzellan Porzellan aus der kaiserlichen Manufaktur Dihl et Guerhard,
wie es beim Fürsten Esterházy verwendet wurde. Um 1815.
Napoleonmuseum Thurgau, Schloss & Park Arenenberg

 

Seltene und kostbare, aber auch „merkwürdige“ Exponate zum Thema „Tischkultur“, Hörstationen und Videoeinspielungen gehören ebenso zur Präsentation wie die Möglichkeit zur Degustation einzelner Produkte.

Bierhumpen mit Szenen aus dem Leben Napoleons I.
Geschenk des schwedischen Königs Oskar Bernadotte
an den französischen Thronfolger Louis Napoléon (Loulou).
Napoleonmuseum Thurgau, Schloss & Park Arenenberg.
Bierhumpen

 

Eisbombe Sog. „Eisbombe“ für die Produktion von Lebensmittel.
Verzinktes Blech, um 1870.
Napoleonmuseum Thurgau,
Schloss & Park Arenenberg.

 

In den Küchen der Tuilerien fertigen Köche Eis.
Holzstich. Zweites Kaiserreich.
Napoleonmuseum Thurgau, Schloss & Park Arenenberg.
Küche

 


 

Die Ausstellung ist umfassend: Sehen, Riechen, Schmecken und Hören - alle Sinne werden angesprochen!

Bespielt werden 250 m2 Sonderausstellungsfläche und Teile der Dauerausstellung im Napoleonmuseum, dem „Palais“ von Schloss Arenenberg. Dazu treffen sich 2010 erstmals wieder Teile der historischen „Caves impériales“, der „kaiserlichen Keller“ auf Schloss Arenenberg. Dort probiert der Besucher z.B. ausgewählte Weine, kaiserliches Bier, Kaffee und Antialkoholisches oder kleine Spezialitäten, wie die eigens für die Ausstellung kreierten „Flûtes Impériales“ (Gebäck aus Blätterteig) oder die berühmten „Gottlieber Hüppen“.

Adlige Höfe legten grossen Wert auf qualitätvolle Nahrungsmittel. Sie wurden meist entweder selbst produziert oder von kontrollierten Gütern zugekauft. Dies lässt sich besonders schön am Beispiel der Fürstin Amalie Zephyrine von Hohenzollern-Sigmaringen zeigen, deren umfangreiche Buchführung einen Blick auf die Herkunft der Lebensmittel und die Kosten einer Hofhaltung erlaubt.

Weinflasche Weinflasche des Schlossgutes Arenenberg.
Ohne Jahrgang.
Napoleonmuseum Thurgau, Schloss & Park Arenenberg.

In der Ernährung wurden aber auch neue Wege gesucht:
Um die Bevölkerung Frankreichs und Europas en gros vor Hungersnöten zu schützen, förderte z.B. Napoleon III. gezielt die Entwicklung von „Fertigprodukten“. Besonders berühmt ist die Entdeckung der Margarine. Seine „Erfindungen“ und Massnahmen stellen weitere Elemente der Ausstellung dar.

Der Kaiser beteiligte sich selbst u.a. mit einer Schrift „Über den Zucker“ an der ernährungspolitischen Diskussionen seiner Zeit und beeinflusste dadurch die Dessertküche.

Im Garde-Manger der Tuilerien fertigen Köche kunstvolle Desserts.
Holzstich, Zweites Kaiserreich.

Garde-Manager

 

Früchteschale

Verschiedene Desserts. Aus: Jules Gouffé. Le livre de cuisine. Paris 1867. Napoleonmuseum Thurgau, Schloss & Park Arenenberg

 

Dessertschale. Vergoldetes Messing. Zweites Kaiserreich. Napoleonmuseum Thurgau, Schloss & Park Arenenberg Dessertschale

Abgerundet wird die Ausstellung durch ein umfangreiches Begleitprogramm und durch Kooperationen mit der Gastronomie und Feinkostproduzenten. In Gestalt einer historischen Speisekarte bietet das Museum Spezialführungen, Degustationen, wiederentdeckte kulinarische Spezialitäten, Gourmet-Workshop, Vorträge, Schaukochen und vieles mehr an verschiedenen Orten der Region an. In Zusammenarbeit mit örtlichen Tourismusorganisationen und der Hotellerie entstehen Pauschalangebote und Gourmetwochen. Das Team vom Napoleonmuseum freut sich auf Ihren Besuch bei uns.